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Dana on Tour

In unserem Auftrag erkundet die Ulmer Moderatorin und Redakteurin Dana Hoffmann in der Reihe ›KulTour mit Dana‹ Kultureinrichtungen in der Zweilandstadt und erzählt ihre Erlebnisse.
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Unscheinbar ist er, dieser Löwenmensch; knappe 30 Zentimeter groß und von bräunlicher Farbe. Viviane Bolin bringt er dennoch zum Strahlen. Die Archäologin ist seit Herbst 2021 zuständig für die geschnitzte Figur und alle anderen Artefakte der archäologischen Sammlung im Museum Ulm. „Der Löwenmensch hat eine faszinierende Forschungsgeschichte", sagt Bolin. Die einzelnen Teile der Figur wurden in den 30er Jahren im Lonetal bei Ulm entdeckt. Von welchem Wert dieser Fund in den Eiszeithöhlen war, sollte aber erst viel später deutlich werden. „1969 hat man die rund 300 Teile erstmals zusammengesetzt, allerdings fehlten da noch Teile der Schnauze", erklärt Bolin. „Erst in den 80er Jahren wurde die Original-Ausgrabungsstelle gefunden, und dort fand man dann tatsächlich noch weitere Teile."

Der Fundort des Löwenmenschen sowie fünf weitere Höhlen auf der Schwäbischen Alb, in denen mehr als 50 Figuren und Instrumente gefunden wurden, gehören seit 2017 zum UNESCO-Weltkulturerbe. In der Begründung des Komitees heißt es dazu: „Diese archäologischen Stätten zeigen einige der ältesten figurativen Kunstwerke der Welt und geben Aufschluss über die Ursprünge der menschlichen künstlerischen Entwicklung."

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So wie aber dem Löwenmenschen bis heute ein paar Bruchstücke fehlen ist auch die Forschung noch lückenhaft: Unklar ist zum Beispiel, ob die Figur einen verkleideten Menschen darstellt oder bewusst als Mischwesen, als Produkt der Fantasie, erschaffen wurde. Ein Experiment hat 2008/2009 gezeigt, dass rund 360 Stunden Arbeit in der Schnitzerei aus Mammut-Elfenbein stecken. Eine weitere Theorie geht davon aus, dass der Löwenmensch als Spielzeug gedacht war – eine Antwort auf diese Frage wird es womöglich nie geben. „Archäologie ist wie ein Krimi", sagt Bolin. „Zum Löwenmenschen wird international noch ewig geforscht werden." Sicher ist nur, dass der Löwenmensch etwa 40 000 Jahre alt ist und damit zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit gehört. Ein Rätsel geben die feinen geritzten Linien am linken Oberarm und am Fuß des Löwenmenschen auf – auch alle anderen eiszeitlichen Figuren, die auf der Schwäbischen Alb gefunden wurden, haben diese Markierung. „Mich fasziniert die Geschichte hinter der Figur", sagt Bolin. Eine Geschichte, deren Erzählung bald den nötigen Raum bekommt: 2023 soll der Löwenmensch die Hauptattraktion in der neu gestalteten Archäologischen Sammlung im Museum Ulm werden.

Tipps:
Spannendes über den Löwenmenschen und andere Eiszeit-Kunst gibt es direkt am Fundort auf der Schwäbischen Alb zu erfahren:
https://welt-kultursprung.de/

Alle Infos zum Museum Ulm findest du hier.